Wenn es Nacht wird in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka, gehen dort mehr
als 200.000 Kinder nicht in ein warmes Bett. Oft barfuss und spärlich
bekleidet streifen sie durch die Straßen der Stadt und suchen nach einem Unterschlupf zum Schlafen.
Das südasiatische Land gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf
von etwa 525 US-Dollar (Stand 2009) zu den ärmsten Ländern der Erde.
Desweiteren leidet das Land unter Korruption und Überbevölkerung.
Schutzlos und ausgegrenzt wie kaum eine andere Gruppe der Bevölkerung
sind die Straßenkinder, deren Zahl die Regierung von Bangladesch auf
ca. 380.000 schätzt, wovon 55 % in der Hauptstadt Dhaka leben.
Ungefähr jedes zweite dieser Kinder (49 %) ist jünger als zehn Jahre.
74 % der Straßenkinder sind Jungen. Man geht davon aus, dass die Zahl
der obdachlosen Kinder ohne angemessene erwachsene Fürsorge im Jahr
2014 die Marke von 930.000 überschreiten wird.
Zu ihren Hauptproblemen zählen allgemeine Unsicherheit, physischer und
sexueller Mißbrauch durch Erwachsene der unmittelbaren sozialen
Umgebung, Schikane durch die Sicherheitsbehörden, kein oder
unzureichender Zugang zu Bildung und Mangel an ordentlichen
Einkommensmöglichkeiten.
Wir sind überzeugt, dass der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für
diese Kinder eine angemessene Ausbildung ist. Denn nur wenn sie
lernen, die Welt zu verstehen und für sich selbst zu sorgen, haben sie
die Chance auf ein sicheres und unabhängiges Leben.
Zwar betonen
Politiker den dringenden Handlungsbedarf bei der Umsetzung des
Artikels 17 der bangladeschischen Verfassung, der allen Kindern eine
kostenfreie Grundbildung zusichert, doch bleibt dies in Bezug auf die
vergessenen Kinder der Straße bloße Rhetorik.
Ziel dieses Projekts ist es deshalb, für die Straßenkinder
Bangladeschs im Norden des Landes ein Dorf zu errichten, das einen
sicheren Lebensraum bietet, in dem sich die Kinder auf ein
selbstbestimmtes Leben vorbereiten können. Die Kinder sollen dort
Obdach finden, eine medizinische Grundversorgung sowie eine
angemessene Schulbildung erhalten.
Das Dorf soll als Entwicklunsgmodell ähnliche Projekte in Bangladesch
und anderen armen Staaten der Erde inspirieren.
Das Projekt soll realisiert werden in Zusammenarbeit mit unserer
bangladeschischen Partnerorganisation Ekmattra.
Das Kinderdorf wird ein Teil des Dorfs Gobranikura sein, wo unsere
bangladeschische Partnerorganisation Ekmattra bereits einen Hektar
Land erworben hat. Gobranikura liegt in Halughat, einem Unterdistrikt
des Verwaltungsdistrikts Maimansingh der Division Dhaka. Haluaghat
grenzt im Norden unmittelbar an den indischen Bundesstaat Meghalaya.
Nach sorgfältiger Abwägung der Alternativen hat man sich für diesen
Ort entschieden, da er nahezug frei von Naturkatastrophen ist und dort
friedliche soziale Verhältnisse vorherrschen.
Im Kinderdorf wird es eine eigene Grundschule geben. Die
Sekundarschulbildung wird durch Schulen in der Umgebung gewährleistet.
Das Angebot an formaler Bildung wird ergänzt durch technischen und
ethischen Unterricht sowie kulturelle Aktivitäten. Diese zusätzlichen
Bildungsangebote sollen es den Kindern und Jugendlichen erleichtern,
ihre Potentiale freizusetzen und sich später in Arbeitswelt und
Gesellschaft zurecht zu finden.
Hinzu kommen Unterkünfte für die Dorfbewohner und Mitarbeiter,
sanitäre, kulturelle, landwirtschaftliche und administrative
Einrichtungen, eine Krankenstation, eine Backstube und Spielwiesen.
Die gesamte Infrastruktur ist darauf ausgerichtet, den Bewohnern des
Kinderdorfs das Gefühl zu geben, in einer großen Familie zu leben.
Die Kinder und Jugendlichen sollen unter menschenwürdigen Bedingungen
aufwachsen, unabhängig von ihrer religiösen, ethnischen und sozialen
Herkunft. Sie sollen Geborgenheit und Liebe erfahren, sich von ihrem
vorgezeichneten Schicksal emanzipieren und ihren Platz in der
Gesellschaft finden.
Wir glauben, dass das Kinderdorf, insbesondere das damit verbundene
Bildungsangebot, einen positiven Einfluss auf die Dorfgemeinschaft und
die weitere direkte Umgebung des Projekts haben wird.
Eine von Ekmattra erstellte Machbarkeitsstudie für die Finanzierung
der laufenden Kosten in den ersten drei Jahre ist zu dem Ergebnis
gekommen, dass ein selbsterhaltender Betrieb der Einrichtung nach rund
sechs Monaten möglich sein sollte.
Derzeit arbeiten elf Vollzeitangestellte für Ekmattra und kümmern sich
vor Ort um das Projekt.
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