Durchsuche Beiträge, die in der Kategorie Mai, 2011 erstellt wurden

Mai 2011: Muttertag

Jedes Jahr am 8. Mai wird in Guatemala Muttertag gefeiert. In manchen Schulen haben die Kinder frei, um diesen Tag mit ihren Mamas zu verbringen und in anderen Schulen werden die Mütter zur alljährigen Muttertagsfeier eingeladen, wo die Kinder Gedichte vortragen, ihre selbstgebastelten Geschenke überreichen und Lobeslieder auf die Mamis singen.

EducArte will in diesem Jahr den Müttern auf ganz andere Art etwas Gutes tun. Daher wird das Schulhaus zum Jahrmarkt für Muttis. Die Kinder basteln die Eintrittskarten, auf denen die alle Spiele und Stationen vermerkt sind, und schicken ihre Mamas zum “Jahrmarkt”. Nach anfänglicher Zurückhaltung tauen die Frauen allmählich auf und beginnen, an den Spielen teilzunehmen und den Tag ohne Kinder und nur unter sich zu genießen.

Es ist alles dabei, was ein Jahrmarkt zu bieten hat: Spiele wie Ringwerfen, Fußball, Kegeln, Stuhltanz und Bingo, eine Disko und vieles mehr. Es gibt Preise, eine Tombola, Kuchen und andere Leckereien. So ausgelassen albernd und vor allem lachend sieht man diese Frauen selten. Wer behauptet, dass Spiele nur etwas für Kinder seien?

Nach den Spielen und dem Essen finden sich alle Frauen in einer Runde zusammen. Ursprünglich soll dies eine kurze Verabschiedung werden. Aber plötzlich ergibt sich eine ergreifende Eigendynamik der gesamten Veranstaltung. Jede Frau bekommt die Chance, etwas zu sagen und fast alle nutzen die Möglichkeit. Eine Mutter steht auf und beginnt ein bekanntes Lied über die Mutter zu singen, wobei die ersten Tränen vieler Anwesender fließen. Einige Frauen erzählen ihre Geschichten, manche offenbar zum ersten Mal. Nur die allerwenigsten handeln von Liebe und Glück. Andere Frauen teilen ihr Mitgefühl und Verständnis mit und finden Worte, die Mut machen. Dankend umarmen sich alle zum Abschied, doch noch immer scheint keine der Frauen wirklich gehen zu wollen.

Musik soll die Aufräumarbeiten einleiten und das Veranstaltungsende signalisieren. Doch die Frauen beginnen zu tanzen, schnappen sich einfach einen Besen, waschen ab und räumen die Stühle und Tische wieder an Ort und Stelle … tanzend.

Mai 2011: Interview mit Ana Lucia

Im Rahmen der Sozialarbeit hat EducArte sehr oft mit ganz speziellen Situationen zu tun. So auch im Fall von Ana Lucia (21), die nach Jahren ihre beiden Kinder wieder bei sich hat. Diese lebten bei einer Pflegemutter. Doch aufgrund wiederholter Anzeigen wegen schwerer Kindesmißhandlung, sah sich EducArte verpflichtet, einzugreifen.
Mittels Mediation zwischen Pflegemutter, biologischer Mutter und den zuständigen Behörden begann der Prozess der Rückführung beider Kinder zur biologischen Mutter. Im Interview erzählt Ana Lucia ihre Geschichte:

Ana Lucia: Ich war 14 Jahre alt als ich von Zuhause auszog, weil mein Stiefvater mich ständig schlug. Also habe ich mir etwas Eigenes gesucht. Da lernte ich dann auch meinen Freund kennen, von dem ich schnell schwanger wurde. In dieser Zeit arbeitete ich für Doña Mari (spätere Pflegemutter) als Haushaltshilfe. Weil ich nicht allein für das Baby sorgen konnte, zog ich dann auch zu ihr. Mit meinem Freund war ich da nicht mehr zusammen. Als Gabriel geboren wurde, war ich 15 und einige Monate lebten wir bei Doña Mari und ihrer Familie. Das war aber sehr schwierig und als ich ausziehen wollte, wollte sie mir Gabriel nicht geben.
Eileen: Wie ging es dann weiter?
Ana Lucia: Ich zog wieder in eine eigene Wohnung…ohne Gabriel. Um ihn zu sehen, ging ich immer wieder zurück.
Eileen: Marta Rosely kam nur wenig später zur Welt. Was geschah dann?
Ana Lucia: Martas Vater hat mich sehr schlecht behandelt, er schlug mich, sperrte mich ein und gab mir nichts zu essen. Um Marta registrieren zu lassen, ließen wir den Ehemann von Doña Mari als Vater eintragen. Wieder lebte ich einige Zeit bei ihnen. Als ich ausziehen wollte, passierte dasselbe wie mit Gabriel. Doña Mari wollte Marta nicht hergeben und da ihr Mann als Vater registriert war, hatte ich gar keine Chance. Ab und zu konnte ich die beiden sehen, manchmal waren sie auch bei meiner Mutter. Später zog ich aber in ein anderes Dorf und hatte gar keinen Kontakt mehr.
Eileen: Wie kam der Kontakt nach so langer Zeit zustande?
Ana Lucia: EducArte machte mich ausfindig und lud mich zu einem Gespräch ein. Es gab wohl mehrere Anzeigen wegen Kindesmißhandlung gegen Doña Mari.
Eileen: In einem zweimonatigen Prozess der Rückführung sind die Kinder nun vollständig zu Ihnen gezogen. Wie funktioniert das Familienleben?
Ana Lucia: Ganz gut. Ich habe erst im März geheiratet und nun müssen wir uns alle gemeinsam an die neue Situation gewöhnen. Leider verdient mein Mann nicht genug, um die gesamte Familie ernähren zu können, so dass wir auf Hilfe angewiesen sind. Aber ich bin sehr glücklich, meine Kinder endlich bei mir zu haben und danke EducArte sehr dafür.

Anmerkung: EducArte wird die Familie weiterhin betreuen und regelmäßig besuchen, um sicherzustellen, dass es den Kindern gut geht. Im Moment kann allerdings bereits festgestellt werden, dass die Kinder sauber und regelmäßig zur Schule kommen und dass vor allem Marta wesentlich ausgeglichener und fröhlich ist. Die ökonomische Situation ist allerdings sehr besorgniserregend. Wenigstens haben die beiden Kinder jeweils einen Paten, so dass zumindest die Schulbildung abgesichert ist. EducArte versucht, so weit dies möglich ist, die Familie mit Lebensmittelspenden zu unterstützen.