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März 2011: Große Wahl zum Karneval, Teil 2

Eine Woche nach der Präsentationsfahrt der 7 Kandidatenpärchen durch Ciudad Vieja fand die eigentliche Wahlveranstaltung in den Räumlichkeiten der Gemeinde statt. Während die Kandidaten aufgeregt durch die Gegend wirbeln, nervöse Mütter die verschiedenen Outfits ordnen, damit es später beim Umziehen nicht allzu chaotisch zugeht, wird der Saal geschmückt, Tische und Stühle für die Jury bereitgestellt und die Technik aufgebaut.
Mit der in Guatemala üblichen Stunde Verspätung beginnt nun die Veranstaltung. Es gibt sogar ein Programmzettel, welcher durch die 14 Programmpunkte führt. Die Kinder und deren Familien sowie weitere Gäste von anderen Organisationen sitzen gespannt im Publikum.

Die Jury wird vorgestellt. Es sind 7 Mitglieder, darunter auch Miss Ciudad Vieja, eine Tanzlehrerin und ein Stylist. Die Kandidaten müssen sich in vier verschiedenen Outfits bzw. Themen vorstellen: Fantasie, Sport, typische Trachten und Abendkleidung. Außerdem soll jeder eine Frage zu Themen wie Umweltschutz, Kinderrechte und Verbesserung der Gesellschaft beantworten. Um ihnen die nötige Zeit zum Kleidungswechsel zu geben, gibt es verschiedene kleine Zwischenauftritte von 2 kleinen Mädchen, die einen arabischen Bauchtanz vorführen oder der Moderatorin, welche auch Sängerin ist. Ein weiterer junger Herr versucht sich ebenfalls im Singen. Offensichtlich ist es weniger wichtig, die Stimme und Melodie halten zu können, um den Saal zum Rocken zu bringen, als vielmehr mit bekannten Schlagern einen lautstarken Chor im Publikum auf seiner Seite zu haben.

Am Ende aller Präsentationen zieht sich die Jury für 15 Minuten zur Beratung zurück. Es gibt zwei Gewinnerpaare. Caterin und Pablo aus der Kindergartengruppe sind nun Niño und Niña Carnaval und Libny und Josué für die “Beschleunigte Grundschule” Gruppe 2 wurden zu Niño und Niña EducArte gekrönt. Es ist alles sehr feierlich und aufregend für die Kids.

Wie die Jury zu ihrem Ergebnis kam, hat man nie erfahren, für uns hatten alle gewonnen. Erschöpft geht es nach Hause. Einige Kinder und Mütter helfen noch beim Aufräumen. Die Karnevalsfeier mit Kostümen findet eine Woche später statt.

Interview mit Andery Kayri

Die 12-jährige Andery ist im letzten Jahr nach Ciudad Vieja gezogen und kommt seitdem zu EducArte, wo sie nachmittags die “Beschleunigte Grundschule” besucht. Sie ist sehr aufgeschlossen, stets gutgelaunt und bekannt für ihre plötzlichen Lachanfälle. Sie lebt mit ihrer Mutter, dem Stiefvater und ihren vier kleinen Brüdern. Da ihre Mutter den ganzen Tag als Altenpflegerin arbeitet, muss Andery vor und nach der Schule auf ihre kleinen Geschwister aufpassen. Selbst noch ein Kind hat sie sehr viel Verantwortung zu tragen, wenn sie ganz allein mit den 2-jährigen Zwillingen und den beiden anderen Brüdern (3 und 4 Jahre) zu Hause ist. Nicht selten kommt sie übermüdet zur Schule und dennoch sieht man sie ständig fröhlich vergnügt.

Eileen: Du bist im letzten Jahr hergezogen und zu EducArte gekommen. Wo hast du vorher gelebt?
Andery: Ich habe vorher in der Hauptstadt bei meiner Oma gelebt. Meine Mutter lebt mit ihrem Mann hier in Ciudad Vieja und hat mich nun zu sich geholt.
Eileen: Wo gefällt es dir besser?
Andery: In Guate*. Da war es viel lustiger als hier. Ich habe mit Freunden draußen gespielt und immer kam jemand zu Besuch, meine Onkel und Cousins. Hier bin ich den ganzen Tag zu Hause und passe auf meine Geschwister auf.
Eileen: Was gefällt dir an EducArte und was gefällt dir weniger?
Andery: Mir gefällt alles, besonders die Lehrer, die bunten Räume und der Spielplatz.
Eileen: Was machst du am liebsten?
Andery: Ich spiele sehr gern Basketball.
Eileen: Was möchtest du später mal werden und warum?
Andery: Lehrerin. Ich mag es einfach. Außerdem kann ich dann später meinen Kindern helfen und ihnen alles erklären.
Eileen: Was wünscht du dir für die Zukunft?
Andery: Immer mit meiner Familie vereint zu sein und in Frieden leben zu können.
Eileen: Wie würdest du dich in einem Wort beschreiben?
Andery: Ich bin ein Witzbold. Ich mache gern Witze und kann über alles lachen.
Eileen: Was würdest du in Guatemala ändern?
Andery: Die Gewalt.